Wanderausstellung und Vortragsreihe "Mensch.Demenz.Kirche."

07.11.2018. Ein Teil der Wanderausstellung „Mensch.Demenz.Kirche.“ des Erzbistums Köln ist seit heute im Pflege- und Altenheim Gerricusstift zu sehen. Gezeigt werden Aufnahmen des Fotografen Michael Uhlmann und ausgewählte Impulstexte, die einladen, sich dem Thema Demenz spirituell zu nähern. Michael Uhlmann begleitete und porträtierte Menschen mit Demenzerkrankung, darunter auch das in Düsseldorf lebende Ehepaar Maria und Hans-Jürgen Wertens. Uhlmanns Bilder sind unter den sechs Überschriften „Suche“, „Versunken“, „Verloren“, „Bewegung“, „Berührt“ und „Dialog“ zusammengestellt. 

 


Maria und Hans-Jürgen Wertens bei der Vernissage der Ausstellung "Mensch.Demenz.Kirche." im Lambertussaal. Auf einigen der Bilder sind sie zu sehen - mal nur Maria Wertens, mal ihr Mann und sie zusammen.

Die Wanderausstellung ist Teil des Projekts „Mensch.Demenz.Kirche.“ im Erzbistum Köln, das den ganzen Menschen in den Blick nimmt. Ziel des Projekts ist es, die Akzeptanz für das Thema Demenz in der Stadt Düsseldorf zu erhöhen. Dabei werden Betroffene und Angehörige in den Mittelpunkt gestellt. Menschen mit Demenzerkrankung bleiben trotz ihrer Erkrankung Teil der Gesellschaft und ihrer kirchlichen Gemeinde. Schwerpunkte von „Mensch.Demenz.Kirche“ sind ein Bewusstseinswandel und ein stärkender Ansatz in der Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz. 


Bewohnerin Helga Begere und Einrichtungsleiter Remy Reuter schauten sich die Bilder der gesamten Ausstellung im Lambertussaal an. Danach wurde die Ausstellung auf drei Standorte aufgeteilt.

Bis zum 18. November werden die beiden Themen „Verloren“ und „Bewegung“ der Fotoausstellung täglich von 8 bis 20 Uhr im Pflege- und Altenheim Gerricusstift, Gerricusstraße 11 in Gerresheim zu sehen sein. „Wir haben uns für diese beiden Themenfelder entschieden, da uns die dazugehörigen Fotos sehr angesprochen haben, und sich die beiden Themen aus zwei sehr unterschiedlichen Blickwinkeln dem Thema Demenz nähern“ sagt Remy Reuter, Leiter des Gerricusstifts. Das Thema „Bewegung“ passe darüber hinaus gut zu dem Gerresheimer Pflege- und Altenheim, weil es die Mobilität der Bewohnerinnen und Bewohner mit verschiedenen Angeboten wie zum Beispiel ein Qi-Gong-Kursus fördere. Etwa 80 Prozent der gut 100 Bewohnerinnen und Bewohner des Gerricusstifts haben demenzielle Erkrankungen.

Begleitend zur Ausstellung bietet das Pflege- und Altenheim Gerricusstift ein Programm mit drei Veranstaltungen an: 

Vortrag und Diskussion
Freitag, 9. November 2018
17.30 Uhr „(Nicht) verloren sein mit Demenz – Einführung in Möglichkeiten der Begleitung von Menschen mit Demenz“
Referent: Prof. Dr. Christian Bleck, Hochschule Düsseldorf  

Bewegungsangebot
Dienstag, 13. November 2018
11:00 Uhr
In Bewegung mit Qi Gong“
Übungsleiterin: Inge Marie Sander 
Bitte bequeme Kleidung tragen.

Workshop
Mittwoch, 14. November 2018
17.30 Uhr
„Der innere Kern – spirituelle Zugänge zum Umgang mit Demenz“
Referent: Joachim Pfeiffer, ASG-Bildungsforum

Der Ort ist jeweils der Clubraum des Pflege- und Altenheim Gerricusstifts, Gerricusstraße 11, 40625 Düsseldorf-Gerresheim.

 


Eines der Bilder von Michael Uhlmann, die in der Ausstellung zu sehen sind.
 

Das gesamte Programm der Ausstellungs- und Vortragsreihe vom 5.-18. November der Kooperationspartner Erzbistum Köln, Caritasverband Düsseldorf, ASG-Bildungsforum und Gerricusstift:

 



Text und Fotos: Angelika Fröhling

 


 

Ausflug zum Krefelder Zoo

04.10.2018. „Ich habe mich sehr auf den Tag gefreut“, sagt Marianne Paehlke. Die 97-Jährige sitzt erwartungsvoll in ihrem Rollstuhl in einem Spezialreisebus und wartet gemeinsam mit 17 weiteren Bewohnerinnen und Bewohnern des Gerricusstifts sowie acht Begleiterinnen auf die Abfahrt. Ausflüge stehen regelmäßig auf dem Programm des Gerresheimer Pflege- und Altenheims. An diesem überaus sonnigen Tag Ende September geht die Fahrt nach Krefeld. „Wir haben einen Besuch im Zoo ausgewählt, weil die meisten unserer Bewohner Tiere lieben“, erklärt Nicole Vetten vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts. Insbesondere bei Demenzkranken merke sie, dass sie dann viel gesprächiger seien. „Tiere wirken wie ein Magnet.“ 


Bewohnerinnen und Bewohner des Gerricusstifts erkunden gemeinsam mit ihren Begleiterinnen den Krefelder Zoo.

Dass jedoch nicht nur Menschen wie magnetisch auf Tiere reagieren, sondern auch umgekehrt – diese Erfahrung macht Hildegard Stemmler bereits beim ersten Gehege im Krefelder Zoo. Ein neugieriger Nandu steckt seinen Kopf durch den stabilen Metallzaun und macht sich mit dem Schnabel an dem Reißverschluss ihrer Jackentasche zu schaffen. Irene Hoppe vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts lotst die 73-Jährige mitsamt ihrem Rollator schnell außer Reichweite des großen Laufvogels. „Dem Nandu ist es sogar schon gelungen, Halsketten abzureißen“, berichtet Barbara Illgen vom Freiwilligenteam des Zoos und zeigt auf ein Schild, auf dem in roten Buchstaben „Bitte Abstand halten“ geschrieben steht. Gemeinsam mit ihrer Schwester Ursel Illgen führt sie die 26 Gerresheimer Ausflügler in zwei Gruppen durch das Gelände. 


Hildegard Stemmler macht Bekanntschaft mit einem neugierigen Nandu.

Barbara Illgen weiß jede Menge von den Zootieren zu berichten. Sie erzählt zum Beispiel von einer Paviandame, die eine schwimmende Erdnuss angeln wollte, ins Wasser fiel und daraufhin ihre Scheu vor dem nassen Element verlor. Und von Herrn Simon, einem freundlichen Alpakahengst, welcher Besuchern einen Nasenkuss zu geben pflegte, bis er sich zum eifersüchtigen „Beißer“ entwickelte. Für einige Gerricusstiftbewohner dauern ihre Erzählungen jedoch zu lang. Sie drängen bereits weiter zum Pinguin-Pool, der wegen der Inka-Seeschwalben mit Netzen überspannt ist. Doch hier ist erstmal Geduld gefragt: Bis fünf Rollstühle und zwei Rollatoren nacheinander durch die enge Schleuse bugsiert sind, dauert es eine ganze Weile. Der Zufall will es und die kleine Gruppe kommt gerade zur Fütterungszeit bei den Seelöwen vorbei. Wasser spritzt und Kinder kreischen. Wenn sich die dicken Tiere ins Wasser plumpsen lassen, um einen Fisch zu ergattern, wird es in der ersten Reihe am Geländer ziemlich nass. Für Renate Grimm ist dies der Höhepunkt des Zoobesuchs. Doch weniger wegen der Seelöwen, sondern der Kinder wegen: „Die sind so niedlich anzuschauen“, freut sich die 88-Jährige. Auch Günter Berghahns Aufmerksamkeit richtet sich nicht auf die Wassertiere. Sein Interesse gilt vor allem den Graureihern, die geschickt versuchen, den Seelöwen beim Fressen zuvorzukommen. 


Zooführerin Barbra Illgen (r.) erzählt, warum der küssende Alpakahengst "Herr Simon" zum Beißer wurde.

Für andere wiederum ist die erst im vergangenen Jahr eröffnete Erdmännchen-Lodge das interessanteste Tiergehege. Das gab es natürlich noch nicht, als Maria Helle in ihrer Kindheit den Zoo besuchte. Die heute 96-Jährige erinnert sich noch daran, wie sie damals hin und wieder mit ihren Eltern, vier Schwestern und sechs Brüdern einen Ausflug nach Krefeld unternahm. Bei Beate Gehl kommen beim Anblick eines gemütlich wiederkauendenden Trampeltiers ebenfalls Erinnerungen hoch: „Unsere Mutter ermahnte uns immer, dass wir die Holztreppe nicht wie die Trampeltiere herunterlaufen sollten.“


Im Gehege der putzigen Erdmännchen ist immer etwas los.

Nach einer guten Stunde Zooführung sind fast alle Gerricusstiftbewohner einigermaßen erschöpft. Marianne Catterfeld bringt es auf den Punkt: „Jetzt freue ich mich auf eine schöne Tasse Kaffee.“ Wie gut, dass auf der sonnigen Terrasse des Grotenburgschlösschen schon Kuchen und heiße Getränke bereit stehen.

Text und Fotos: Angelika Fröhling


 

Ausstellung von Monika Protze

20.07.2018. Malen ist Monika Protzes Leidenschaft. „Beim Malen kann ich gut Spannungen loswerden“, sagt die 72-Jährige, die im Pflege- und Altenheim Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim wohnt. Noch während sie spricht, koloriert sie den Hintergrund eines Portraits mit einem gelben Buntstift. Es zeigt die Ehefrau eines Mitbewohners. Auch der Blick in Monika Protzes Zimmer lässt schnell erkennen, dass sie sich gerne künstlerisch betätigt: Nicht nur an den Wänden hängen ihre selbstgemalten Bilder. Auf dem Balkon lagern zahlreiche Leinwände und die große Schublade einer Schrankwand ist bis oben hin gefüllt mit dicken Sammelmappen voller Zeichnungen. Werke aus vielen Lebensjahrzehnten.
 

Bewohnerin und Künstlerin Monika Protze (l.) und ihre Künstlerische Begleiterin Ulrike Wilhelmy zeigen eines der Bilder, die demnächst im Gerricusstift ausgestellt werden.

Schon als Kind hat Monika Protze gerne Gesichter gezeichnet. Vielleicht ein Grund, warum sie heute so treffende Portraits anfertigen kann – und das auch noch in einer ungeheuren Geschwindigkeit. Fünf Minuten reichen ihr meist dafür. Doch nicht nur Portraits haben es Monika Protze angetan. Ihre Werke reichen von kleinen Zeichnungen bis hin zu großen Leinwänden auf denen zum Beispiel eine abstrakte Szene an einem italienischen Strand oder ein Blumenstilleben zu sehen sind. „Ich male auch gerne märchenhafte Bilder“, erklärt die Künstlerin und weist auf eine mit kräftigen Farben bemalte Leinwand hin: „Es zeigt eine Unterwasserwelt mit Vogel, Drache und Koralle.“ 

Ein Portrait, das Monika Protze in früheren Jahren anfertigte.

Vom 28. Juli bis 9. August werden einige ihrer vielfältigen Werke in der Cafeteria des Gerricusstifts zu sehen sein. Zwar hat Monika Protze, die früher als kaufmännische Angestellte tätig war, in ihrem Leben schon einige Ausstellungen mitgestaltet, darunter in der Düsseldorfer Altstadt, in Oberkassel, in Gerresheim und in Neuss, doch ist es ihre erste Ausstellung im Gerricusstift. In Ulrike Wilhelmy fand die durch Alter und verschiedene Krankheiten beeinträchtigte Hobby-Künstlerin eine ideale Unterstützerin für das Ausstellungs-Projekt. Die Innenarchitektin ist  Künstlerische Begleiterin“ und machte im Oktober vergangenen Jahres während ihrer Ausbildung ein Praktikum in dem Gerresheimer Pflege- und Altenheim. „Dabei haben wir uns regelrecht gefunden“, sagt Ulrike Wilhelmy, die seitdem einmal pro Woche für rund eineinhalb Stunden zu Monika Protze kommt und ihr je nach Tagesform und körperlichem Befinden Tipps gibt, die Werke mit ihr bespricht und sich mit ihr über die Kunst und das Leben an sich unterhält.

Heute malt Monika Protze freier und expressionistischer als in jüngeren Jahren.

Für die bevorstehende Ausstellung ist Wilhelmy der Gerricusstift-Bewohnerin, die bereits mit neun Jahren ihren ersten Preis bei einem Wettbewerb gewonnen hat, bei Auswahl, Beschriftung und Aufhängung der Werke behilflich. „Der Wandel in Monika Protzes Werk ist deutlich sichtbar“, erläutert Ulrike Wilhelmy und ergänzt: „Früher war sie eine akkurate, akademische Zeichnerin, heute hat sie einen viel freieren, künstlerischen Stil.“

Text und Fotos: Angelika Fröhling

Die Ausstellung von Monika Protze ist vom 28. Juli bis 9. August für Besucher täglich von 8 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Ort: Cafeteria des Gerricusstifts.


 

Sinnesgarten für Besucher geöffnet

19.06.2018. Tag der offenen Tür im Sinnesgarten, dem Herzstück der Außenanlagen des Gerricusstifts: Das Pflege- und Altenheim beteiligte sich mit Führungen durch den Sinnesgarten und einer Caféteria beim großen Bürgerfest am 16. Juni. Die Bürgerstiftung Gerricus feierte an diesem Tag ihr 10-jähriges Bestehen mit vielen Aktionen, Gruppen, Initiativen und Ständen rund um die Basilika St. Margareta und auf dem Gerricusplatz.


Einrichtungsleiter Remy Reuter (2.v.l.) führte Besucher durch den Sinnesgarten.
 
Der insbesondere für Demenzkranke angelegte Garten, der mit Blumen, einem Wasserlabyrinth, einem Klang- und einem Windspiel sowie einer Vogelvolière und einer Duftorgel alle Sinne anspricht, ist eines der großen Projekte der Bürgerstiftung Gerricus. Rund 60.000 Euro an Spenden hat die Bürgerstiftung Gerricus dafür aufgebracht. Im vergangenen Jahr wurde der Sinnesgarten feierlich eröffnet.


In den Hochbeeten wachsen Gemüse und Kräuter.

„Das Interesse am Sinnesgarten ist nach wie vor sehr hoch“, sagt Remy Reuter, der Leiter des Gerricusstifts. Den ganzen Tag über hätten sich Besucher den Sinnesgarten im abgeschlossenen, hinteren Teil des Grünstreifens rund um das Gerricusstift angeschaut und an seinen Führungen teilgenommen. Dabei erläuterte Remy Reuter, wie der Garten von Bewohnern, Angehörigen und Pflegepersonal genutzt wird. Außerdem wies er die Besucher auch auf unauffällige Details wie die Notrufanlage an beiden Seiten des Sinnesgartens hin. „Die Notrufanlage gibt den Bewohnern die Sicherheit, dass sie jederzeit Hilfe holen können“, so Remy Reuter. Dadurch würden sich auch mehr Bewohner trauen, alleine in den Garten zu gehen.


Durch die Sinnesgartenführungen ergaben sich an diesem Tag viele weiterführende Gespräche. So hätten sich etliche Besucher durch ihre Erfahrung mit erkrankten Verwandten und Bekannten für das Thema Demenz interessiert, berichtet Einrichtungsleiter Reuter.

Text: Angelika Fröhling, Fotos: Sibylle Pietreck


 

"Anpflanzen": Schüler und Bewohner bestücken Hochbeete

18.05.2018. Die Unsicherheit ist groß: Handelt es sich um Thymian? Oder Majoran? Während die 89-jährige Waltraud Alisch und die 15-jährige Ruth Schirra noch rätseln, welche Pflanze sie da gerade in die Erde des Hochbeets setzen, klärt Nicole Vetten vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts auf: „Das ist Rosmarin und der schmeckt besonders gut zu Fleisch oder Kartoffeln.“ Gut 25 Bewohner und Mitarbeiter des Pflege- und Altenheims Gerricusstift in Düsseldorf-Gerresheim sowie drei Schülerinnen des Marie-Curie-Gymnasiums sind an diesem Tag bei herrlichem Sonnenschein und den Klängen einer Akkordeonspielerin in den geschützten Sinnesgarten der Einrichtung gekommen, um die Neubepflanzung der drei fahrbaren Hochbeet-Tische mit Blumen, Kräutern und kleinen Gemüsepflanzen zu erleben. Mit Unterstützung der Schülerinnen greifen einige Bewohnerinnen und Bewohner gleich beherzt zu den Gartenschaufeln, graben Löcher in die Erde und versenken darin vorsichtig die bereit gestellten Kohlrabi-, Tomaten- und Paprikapflanzen.   


Jürgen Dünnebacke, Günter Berghahn, Linn Steinberg und Hildegard Herrmann (v.l.) bepflanzen eines von drei mobilen Hochbeeten mit Blumen.

Das Buddeln in der Erde ist für Phoebe Gurbin eine neue Erfahrung: „Wir haben zu Hause keinen Garten oder Balkon, und ich finde es schön, sich mal richtig die Hände schmutzig zu machen.“ Der 15-jährigen Gymnasiastin gefällt das „Anpflanzen“, weil es eine „schöne Abwechslung ist“. Sie macht zurzeit ein Sozialpraktikum im Gerricusstift und besucht jede Woche für zwei Stunden die Bewohnerin Hildegard Herrmann. Oft schiebt Phoebe Gurbin dann die Rollstuhlfahrerin am Pillebach entlang, sie gehen zusammen zum Kegeln und spielen ein Gesellschaftsspiel. Auch für Hildegard Herrmann ist der heutige Tag etwas Besonderes. Sie hilft regelmäßig in der Koch- und Backgruppe des Gerricusstifts mit und freut sich schon darauf, bald etwas ernten zu können. „Es ist schon etwas anderes, wenn ich weiß, dass die Kräuter und das Gemüse auf meinem Teller selbst angebaut sind“, sagt die 89-Jährige.


Phoebe Gurbin, Hildegard Herrmann, Waltraud Alisch und Ruth Schirra (v.l.) setzen Kräuter und Gemüsepflanzen.

Es dauert nicht lange und die drei mobilen, auch für Rollstuhlfahrer bequem unterfahrbaren Hochbeete – eine Spende der Deutschen Bank – sind bestückt und gewässert: Eines mit Kräutern, eines mit Gemüse- und Erdbeerpflanzen und eines mit Sonnenblumen, Fuchsien und Männertreu. Vor allem das Blumenbeet hat es Gerricusstift-Bewohnerin Elisabeth Graf angetan. Die 85-Jährige hat schon als Kind gerne gegärtnert: „Meine Mutter musste mir in unserem Kleingarten immer ein Stück abgeben und dann habe ich dort Margeriten, Sonnenblumen und Tulpen gepflanzt.“ Auch bei Wilma Dittmann kommen beim Anblick der Beete Erinnerungen hoch: „Im Krieg haben wir den ganzen Winter von Eingemachten aus unserem Garten gelebt.“ Gerne erinnert sich die 87-Jährige auch daran, wie sie als Kinder versuchten, die längste Möhre aus dem Boden zu ziehen oder den dicksten Apfel zu pflücken. 


Die "Anpflanz-Aktion", die Musik und das sonnige Wetter haben viele Bewohner in den Sinnesgarten gelockt.

„Die Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich, die Pflanzen und Blumen auf den Hochbeeten wachsen zu sehen“, weiß Ingrid Keller vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts aus Erfahrung. Das regelmäßige Gießen der Pflanzen sei zudem für viele Bewohnerinnen und Bewohner eine sinnvolle Beschäftigung, so Keller. Dass das Pflege- und Altenheim erst vor vier Wochen die Patenschaft für zwei Hochbeete im nahe gelegenen Kleingartenverein „Am Balderberg“ übernommen hat, hält Ingrid Keller für eine gute Ergänzung der eigenen Hochbeete: „Unsere noch gut beweglichen Bewohner pflegen lieber die Pflanzen im Kleingartenverein und nutzen es aus, dort Kontakt zu den Vereinsmitgliedern aufzubauen.“ Während die gerade gesetzten Gemüsepflanzen in den Hochbeeten des Gerricusstifts noch wachsen müssen, konnten die Bewohnerinnen und Bewohner aus den Beeten im Kleingartenverein bereits die erste Ernte einfahren: Beim sich an das „Anpflanzen“ anschließenden Grillabend gab es Salat aus eigenem Anbau.


Zu den Klängen einer Akkordeonspielerin singen Bewohner und Betreuer sommerliche Volkslieder und Schlager.

Text und Fotos: Angelika Fröhling


 

Patenschaft für Hochbeete übernommen

Kinder und Bewohner gärtnern gemeinsam.

27.04.2018. Das Gerricusstift hat gemeinsam mit der Ferdinand-Heye-Schule die Patenschaft für insgesamt sechs Hochbeete im Kleingartenverein „Am Balderberg“ übernommen. Die Beete, die der Kleingartenverein am Steinweg 23 eigens für das Pflege- und Altenheim und die Grundschule angelegt hat, wurden bereits mit Blumen, Kräutern, Gemüse und einem Himbeerstrauch bepflanzt. 

Emil Flisikowski, Irene Hoppe und Wolfgang Wriggelsworth (v.l.n.r.) bei der offiziellen "Schlüsselübergabe".

Am 27. April fand bei schönem, frühsommerlichen Wetter die feierliche Übergabe der Hochbeete an die Bewohnerinnen und Bewohner des Gerricusstifts und an die Kinder des Offenen Ganztags der Ferdinand-Heye-Schule statt. Irene Hoppe vom Sozialen Dienst des Gerricusstifts dankte dem Vorstand des Kleingartenvereins und den Vereinsmitgliedern für die „schöne Gelegenheit“ für die Bewohnerinnen und Bewohner selbst zu gärtnern sowie Gemüse und Kräuter für die Kochgruppe der Einrichtung zu ernten. Ein Dankeschön richtete sie zudem an die Grundschüler, die auch die Hochbeete des Gerricusstifts mit Erde befüllt hatten sowie an den Vereinsvorsitzenden Emil Flisikowski, der aus eigener Tasche Scheren, Hacken und Schaufeln für die Senioren angeschafft hatte. Die Gartengeräte lagern nun stets erreichbar in einer Gartenbank mit abschließbarem Staufach.

Uwe Bauersachs, Mathilde Morawitz, Irene Hoppe und Renate Grimm-Cobet pflegen das neue Hochbeet (v.l.n.r.).

Auch Bezirksbürgermeister Karsten Kunert lobte die vorbildliche Aktion des Kleingartenvereins „Am Balderberg“ und spendierte im Namen der Bezirksverwaltung für die kommende Gartenarbeit handliche Gießkannen, die selbst von Kindern und Senioren leicht zu tragen sind. 

Günter Berghahn (l.) und Jürgen Dünnebacke versorgen die Blumen mit ausreichend Wasser.

Neben den Hochbeeten weihte der Kleingartenverein einen neuen Naschgarten für Jedermann und einen Kleingartenlehrpfad sowie Info-Tafeln ein. Gerricusstift-Bewohner Günter Berghahn zeigte sich sehr beeindruckt von einem großen „Insektenhotel“, das Herberge für unzählige Wildbienen und Hummeln bietet. „Das ist wirklich eine tolle Idee“, so Berghahn. Bewohnerin Mathilde Morawitz machte sich gleich eifrig an die Pflege der Hochbeete, zupfte Unkraut und goss die Pflanzen. Trotz ihrer 93 Jahre möchte sie nun alle paar Tage zu den Beeten gehen und nach dem Rechten sehen.

Gut geschützt wächst und gedeiht das Gemüse.

Text und Fotos: Angelika Fröhling


 

Moderne Schließanlage erleichtert den Alltag

23.03.2018. Für Günter Berghahn ist die neue Schließanlage eine „wirklich tolle Sache“. Seit Anfang des Jahres trägt der Bewohner des Pflege- und Altenheims Gerricusstift einen kleinen runden „Funkschlüssel“ bei sich, mit dem sich seine Zimmertür ganz leicht entriegeln lässt. „Man muss nur leicht in der Mitte drücken, hört ein kurzes Piepsen und ruck zuck ist die Tür auf“, erklärt der 87-Jährige.

Mit dem neuen "Funkschlüssel" kann Bewohner Günter Berghahn ganz leicht seine Zimmertür öffnen.

Ende letzten Jahres ließ das Gerresheimer Pflege- und Altenheim für rund 80.000 Euro eine moderne, innovative Schließanlage einbauen – als erste Einrichtung in der Region. Seit Januar ist sie in Betrieb. „Die meisten unserer Bewohner sind aufgrund von körperlichen oder demenziell bedingten Einschränkungen nicht mehr in der Lage, ihre Zimmertüren mit einem herkömmlichen Schlüssel aufzuschließen“, erklärt Remy Reuter, Leiter des Gerricusstifts. Vielen Bewohnern und Bewohnerinnen sei es aber unangenehm gewesen, immer eine Mitarbeiterin beim Auf- und Abschließen um Hilfe bitten zu müssen. Die Folge: Tagsüber standen fast alle Zimmertüren offen. „Dadurch war der Schutz des Eigentums nicht mehr gewährleistet“, sagt Reuter und ergänzt: „Außerdem kam es oft vor, dass sich Bewohnerinnen und Bewohner mit Demenz in der Tür irrten und mehrmals am Tag im falschen Zimmer standen.“ Etwa 75 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner des Gerricusstifts leiden unter demenziellen Veränderungen.

Es gibt drei Arten von "Schlüsseln". 

Das Besondere an der neuen Schließanlage ist: Sie lässt drei Arten von „Schlüsseln“ zu. Etwa die Hälfte der 103 Bewohnerinnen und Bewohner wurde wie Günter Berghahn mit einem Funkschlüssel ausgestattet, der ähnlich wie ein Autoschlüssel aussieht und leicht zu bedienen ist. Die andere Hälfte trägt einen Sender, der in ein unauffälliges Armband integriert ist, und das Zimmer automatisch aufschließt, sobald man nah genug an die eigene Tür herangeht. Ungefähr 10 Bewohner nutzen noch ihren alten Metall-Schlüssel, weil sie sich nicht mehr an etwas Neues gewöhnen wollen.

„Die Investitionskosten waren zwar recht hoch, aber das Geld haben wir in zehn Jahren locker eingespart“, sagt Einrichtungsleiter Remy Reuter. Ging früher ein Schlüssel verloren, der in der Regel auch auf Gemeinschaftsräume passte, mussten gleich alle Schlösser ausgewechselt werden. Bereits zwei Mal entstand dadurch in den letzten Jahren ein Schaden von mehr als 7.000 Euro. „Heute löschen wir bei einem Schlüsselverlust einfach die Zugangsberechtigung“, sagt Reuter zufrieden. Dabei kosteten die neuen Schlüssel nicht mehr als die konventionellen Schlüssel.

Bewohner Günter Berghahn zeigt, wie der "Armband-Schlüssel" funktioniert. (Alle Fotos: Angelika Fröhling)

Der wie ein Uhrenarmband aussehende, neue „Schlüssel“ hat noch einen weiteren Vorteil: Bei Bedarf könnte der Sender und damit auch sein Träger über GPS geortet werden. Dafür würde das Alten- und Pflegeheim wie vorgeschrieben eine richterliche Genehmigung einholen, um keine Persönlichkeitsrechte zu verletzen. „Zum Glück ist es aber noch nicht vorgekommen, dass ein Bewohner oder eine Bewohnerin nicht mehr zu uns zurück gefunden hat “, berichtet Remy Reuter.

Die neue Schließanlage war nach der umfangreichen Innensanierung (Umstellung auf eine Einzelzimmerquote von 80 Prozent) und den neuen Außenanlagen die vorerst letzte Umbaumaßnahme. In den nächsten Wochen und Monaten wird Remy Reuter weiterhin viel damit zu tun haben, die zahlreichen Anfragen zu beantworten und Interessenten anderer Pflege- und Altenheime die Schließanlage zu zeigen. Schließlich ist das Gerricusstift mit seinem digitalen Schließsystem nun Vorreiter.